FUNDSTÜCK DER WOCHE


Stellungnahme der Kölnischen Zeitung vom 28. März 1819
Warum die Gas-Straßenbeleuchtung abzulehnen ist...

1. Aus theologischen Gründen:
weil sie als Eingriff in die Ordnung Gottes erscheint. Nach dieser ist die Nacht zur Finsternis eingesetzt, die nur zu gewissen Zeiten vom Mondlicht unterbrochen wird. Dagegen dürfen wir uns nicht auflehnen, den Weltplan nicht hofmeistern, die Nacht nicht zum Tage verkehren wollen.

2. Aus juristischen Gründen:
weil die Kosten dieser Beleuchtung durch eine indirekte Steuer aufgebracht werden sollen. Warum soll dieser und jener für eine Einrichtung zahlen, die ihm gleichgültig ist, sie ihm keinen Nutzen bringt oder ihn gar in manchen Verrichtungen stört.

3. Aus medizinischen Gründen:
die Gasausdünstung wirkt nachteilig auf die Gesundheit schwachleibiger und zartnerviger Personen und legt auch dadurch zu vielen Krankheiten den Stoff, weil sie den Leuten das nächtliche Verweilen auf den Straßen leichter macht und ihnen Schnupfen, Husten und Erkältungen auf den Hals zieht.

4. Aus philosophisch-moralischen Gründen:
die Sittlichkeit wird durch Gassenbeleuchtung verschlimmert. Die künftliche Helle verscheucht in den Gemütern das Grauen vor der Finsternis, das die Schwachen von mancher Sünde abhält. Die Helle macht den Trinker sicher, daß er in den Zechstuben bis in die Nacht hinein schwelgt, und sie verkuppelt verliebte Paare.

5. Aus polizeilichen Gründen:
sie macht die Pferde scheu und die Diebe kühn.

6. Aus volkstümlichen Gründen:
öffentliche Feste haben den Zweck, das Nationalgefühl zu wecken. Illuminationen sind hierzu vorzüglich geschickt. Dieser Eindruck wird aber geschwächt, wenn derselbe durch allnächtliche Quast-Illuminationen abgestumpft wird. Daher gafft sich der Landmann toller in dem Lichtglanz als der lichtgesättigte Großstädter.


Mein einziger Satz: Nein, ich weiß nicht, was Quast-Illuminationen sein sollen.
12.11.08 14:27
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Janca (12.11.08 20:03)
Passend dazu (Zitat):

„I think there is a world market for maybe five computers.“ („Ich denke, es gibt weltweit einen Markt für vielleicht fünf Computer.“)


ANNE (13.11.08 19:47)
ich les jedesmal "frühstück der woche".... *kopfschüttel*


kissy (14.11.08 12:38)
ich hab grad beschlossen, ich reg mich nicht auf. aber ich freu mich, dass ich in diese zeit hineingeboren wurde!

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)

 Smileys einfügen


Gratis bloggen bei
myblog.de